Hengstaufstellung

 

© Otmar Beyer de Béhaux

 

Als Stutenbesitzer fragt man sich wirklich manchmal, nach welchen Prinzipien die Hengstaufstellung bzw der Deckhengsteinsatz geregelt wird ?

Stellt man allen Ernstes diese Frage, dann muß man zuerst nach Staatsbeschälern einerseits und Privatbeschälern andererseits unterscheiden. Den Staatsbeschälern fällt die Rolle der Verbesserung der Stutenschaft zu, bei welcher sie von den Privatbeschälern unterstützt werden. Der Privatbeschäler unterliegt jedoch noch anderen Kriterien, wie z. B. der Rentabilität und der Marktnachfrage. Ein Privatbeschäler ist also meistens kaufbar, wenn der Kaufpreis stimmt. Bestes und neuestes Beispiel ist der Verkauf des franz. Superhengstes Quidam de Revel, der zu den besten Beschälern des Selle Français gehört. Auch die exorbitante Decktaxe von 10.000 DM, die Zulassung für 100 französische Stuten (plus die ausländischen) konnte den Besitzer anscheinend nicht vom Verkauf abhalten. Der Hengst wurde nach Dänemark exportiert. Aber auch bei uns findet man Verkäufe, die allein durch den Preis gerechtfertigt werden.

Ein anderer Grund für den Verkauf von Deckhengsten ist die Abstammung. Es ist unsinnig die Abstammungskombinationen zu vervielfachen.

Leider kommen aber auch immer wieder Fehlverkäufe vor. Fehlverkäufe sind jene, bei denen ein Hengst nach nur kurzem, zu kurzem, Deckeinsatz abgegeben wird, weil man seine Vererbung als nicht genügend einschätzt.

Letzter und einsichtigster Grund für die Nichtwiederaufstellung eines Hengstes sind Alters- und Gesundheitsprobleme oder Tod.

Leider werden die Züchter nur über den Tod oder den Verbleib der Starvererber informiert, wie zuletzt bei Lacapo, Calypso I, Lord, Landgraf oder Capitol. Scheiden junge oder jüngere Hengste aus irgendwelchen Gründen aus der Zucht aus, so sehen sich die Züchter meistens vor vollendete Tatsachen gestellt. So werden sich wohl viele Holsteiner Züchter nach dem Verbleib von Fernando und Feldherr fragen, bzw wüssten gerne, warum die Hengste aus der Holsteiner Zucht entfernt wurden. Gleiches gilt für Cannonball, Capitano und auch für Condrieu xx.

Die Zuchtleitungen sind nicht unfehlbar und manchmal, selten, zu selten, sehen sie ihre Fehler ein. Bekannte Beispiele sind Aldato, der beste Anblick xx-Sohn, der nach Ungarn verkauft wurde, und erst 1986, im Jahr seines Todes, nach Holstein zurück kam oder auch Landgraf, der nach Württemberg verkauft wurde und erst zwei Jahre später zurückgekauft werden konnte.

Gerade bei den Hengstaufstellungen sollte die Rolle der Züchter verstärkt werden und deren Meinung stärker in die Entscheidung einfließen. Denn ohne die Züchter, die die Hengste ja benutzen, bzw benutzen sollen, sind die Zuchtbücher, Züchterverbände und Zuchtleitungen unsinnig.